Goldachmarkt

Der Goldachmarkt: Leben für Lebensmittel

Jung, mutig und mit weiblicher Kraft in die Zukunft: Als Ehefrau von Simon Schröckenbauer ist Kathrin Schröckenbauer Teil der mittlerweile vierten Generation von Kaufleuten, die den Frischemarkt in Goldach betreibt. Und auch in schwierigeren Zeiten ist sie für Ihre Kunden da. „Wir liefern schon auch. Aber halt nur, wenn jemand kurzfristig erkrankt ist oder der Nachwuchs in Urlaub fährt, während die Senioren Versorgung brauchen. Klar: Wir sind kein Essen auf Rädern. Aber ein bis zwei Wochen aushelfen – oder zum Beispiel zu Beginn der Coronakrise Leute in der Selbstisolation unterstützen, das können wir schon.“

Im nächsten Jahr, 2022, feiern die Schröckenbauers und ihr „Goldachmarkt“ bereits 95-jähriges Bestehen. Der Frischemarkt ist eine Institution in Hallbergmoos/Goldach. Eine Institution, deren Neunzigster es seinerzeit sogar mit großen Beiträgen in die Münchner Lokalpresse gebracht hat. „Da haben wir noch groß gefeiert. Wir hatten sogar einen Clown im Markt. Und ganz viele Kinder nah beieinander. Das ist aktuell kaum mehr vorstellbar, wie frei wir mal gelebt haben“, erinnert sich Schröckenbauer mit etwas Wehmut. 

Kaufleute in vierter Generation: Simon und Kathrin Schröckenbauer.

Schwer vorstellen kann man sich auch die Anfänge des Frischemarktes, insbesondere dann, wenn man durch die gutsortierten Gänge an den Frischetheken und einem imposanten Weinsortiment vorbeischreitet. Aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Geschichte vom Goldachmarkt als eine Art Tante-Emma-Laden. „Therese, die Uroma von meinem Mann, hat das Ganze angefangen. Als kleinen Klingelladen. Die war hinten beim Bügeln und wenn es geklingelt hat, ist sie vorn raus und hat ihr Lädchen gemacht. Das gab es in Hallbergmoos damals wohl relativ häufig.“ Was es nicht gab – insbesondere nach dem Krieg – das war ein Supermarkt oder Selbstbedienungsladen heutiger Prägung. „Das hat Simons Opa, Theo Senior, eingeführt, als er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Dort hat er die klassischen Selbstbedienungsläden kennengelernt und in Hallbergmoos umgesetzt. Und zwar so früh und erfolgreich, dass sogar Besucher aus der Schweiz gekommen sind, um sich etwas vom Konzept abzuschauen.“

Bunte Vielfalt, passend zur Jahreszeit, im Goldachmarkt.

Der Geist von Tante Emma steckt freilich trotzdem immer noch im Goldachmarkt. Weil die Schröckenbauers – angetrieben von der dritten Generation um Theo Junior und seine Frau Barbara – das Bedienen und die Beratung einfach lieben, den Laden in den 1990ern sukzessive ausgebaut und vor allem den Frischebereich verstärkt haben. „Das ist auch immer noch unser Zugpferd“, erläutert Schwiegertochter Kathrin. „Klassische Markennudeln können Sie in jedem Supermarkt erstehen. Aber wir sind kein Franchiseunternehmen. Wir sind ein freier Markt und können uns die Rosinen rauspicken. Wir können schauen, wo es das beste Halsgrat gibt, wo die beste italienische Edelsalami und wo das niederbayerische Bauerngeräucherte. Das ist zwar mit viel Lieferantenkontakt und Arbeit verbunden, aber so können wir das garantieren, was wir als das beste Sortiment für unsere Kunden betrachten.“

Von überall das Beste, das heißt beispielsweise die Weißwürste von der Metzgerei Bauch aus München, das Geräucherte aus Niederbayern und der Fisch von der Bayerischen Garnele bei Erding, die sich – wie beispielsweise auch eine Käserei vom Tegernsee – selbst darum bemühen, Aufnahme in das liebevoll kuratierte Produktsortiment des Marktes zu finden. Den Wein allerdings wählt Schwiegervater Theo Junior auf seinen Reisen auch gern noch selber aus. Überhaupt: Die Vinothek. Hier (und nur hier) gibt es nicht nur den exklusiv für den Goldachmarkt hergestellten „Hallbergmoos-Goldach-Sekt“ (und sein herberes Pendant, die „Goldachperle“), sondern ein breites Sortiment, das man vor Corona noch jeden Donnerstag probieren konnte. „Da waren immer viele Stammkunden dabei“, erinnert sich Schröckenbauer. „Mein Mann hat manchmal sogar gekocht. Das konnten unsere Kunden dann zum Wein probieren. Oder es gab Käse. Das fehlt uns aktuell noch sehr. Weil das echter Kundenkontakt ist. Und der liegt uns so am Herzen.“

Die exquisite Weinauswahl im Goldachmarkt ist handerlesen.

Aber nicht nur zu den Kunden pflegt man viel nachbarschaftliche Nähe, sondern auch zu den hier ansässigen Unternehmen und Betrieben. „Wir haben eine ganz tolle Werbegemeinschaft hier, die für viel Zusammenhalt sorgt. Die schaut, dass im Ort was passiert, dass mit den Betrieben gemeinsam Aktionen wie der Christkindlmarkt gestemmt werden. So haben wir auch die Hallbergschecks eingeführt, mit denen Betriebe in Hallbergmoos bezahlt werden können. Da hat uns auch die Gemeinde ganz toll unterstützt.“

Um die Zukunft muss es einem, trotz der zurückliegenden schwierigen Zeit, alles andere als bang sein in Hallbergmoos und Goldach. „Wir profitieren letztlich alle von der Flughafennähe“, fasst Schröckenbauer zusammen. „Und wir haben mit 38 Jahren eine ganz junge Ortsstruktur, wir sind eine richtig junge Gemeinde. Für Unternehmen wie das unsere ist das natürlich toll. Weil viele Leute hier noch sehr bewusst einkaufen und wissen, dass man dafür auch in einen echten Laden gehen kann.“ Nur das Cateringgeschäft hat man vorerst aufgeben müssen – zu ungewiss die Arbeitssituation während den langen Monaten der Krise. „Das hat immer Spaß gemacht! Wir leben für unsere Lebensmittel und waren immer stolz, wenn wir sie auf üppigen Büffets präsentiert gesehen haben.“

Vorerst müssen es also wieder die liebevoll mit regionalen und internationalen Spitzenprodukten bestückten Ladenregale und ein in der Region wohl unübertroffenes Frischesortiment tun. Und der Blick auf eine fast 100-jährige Geschichte, der in die umgekehrte Richtung für die Zukunft nur zwei Schlüsse zulässt: Der Kunde ist (immer noch) König und (noch) frischer wird’s nicht!

Weitere Informationen: www.goldachmarkt.de

Bildmaterial © Goldachmarkt

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