„Von alleine wird man nicht bekannt“

Von A wie Ausdauer bis Z wie Zeitressourcen: Wer ein Unternehmen aufbauen möchte, braucht mehr als eine zündende Idee. Um die heiße Anfangsphase anzufachen und langfristig am Ball zu bleiben, sind gewisse Fähigkeiten und ein Basis-Paket an Gründungs-Know-how unerlässlich. Sebastian Bartsch, der für den Luftfrachtlogistiker Speed eine Niederlassung in Hallbergmoos gründete, verrät in einem Interview Tipps zum Losfeuern.

Viele Menschen haben Ideen für ein eigenes Unternehmen, aber nicht jeder wird zum Gründer. Was ist die wichtigste Zutat, damit aus einer ersten Idee ein ernsthaftes Konzept wird?

Es gibt zwei wichtige Faktoren. Zum einen ist die Persönlichkeit des Gründers entscheidend. Es gehört auf jeden Fall Mut zu einer Unternehmensgründung, die anfangs mit großen Unsicherheiten  verbunden ist und ein finanzielles Risiko birgt. Der zweite Faktor ist das angebotene Produkt. Hat es eine Chance, auf dem Markt zu bestehen? Was macht es einzigartig? Als Gründer sollte man selbst voll und ganz vom eigenen Produkt überzeugt sein. Wer mit Herzblut dabei ist und eine gewisse Marktlücke besetzt, schafft gute Grundvoraussetzungen für ein Unternehmen.

Welche Eigenschaften und Kompetenzen sollte ein Gründer außerdem mitbringen?

Offenheit. In der Gründungsphase muss man sich zunächst etablieren und dafür proaktiv agieren, in jeglicher Hinsicht. Sei es, um Kunden zu finden, Geschäftsbeziehungen aufzubauen oder sich einen Namen zu machen. Denn von alleine wird man nicht bekannt, das erfordert Eigeninitiative. Darüber hinaus ist ein Organisationstalent hilfreich. Gerade am Anfang ist das Aufgabenspektrum sehr breit und es prasseln viele verschiedene To-Dos auf einen ein, von administrativen Angelegenheiten über die Bürogestaltung bis hin zur Kundenakquise. Da sind Organisations- und möglicherweise auch Multitasking-Fähigkeiten gefragt. Außerdem sollte man einen  gewissen Geschäftssinn mitbringen. Ein betriebswirtschaftliches Studium ist nicht nötig, aber ein grundlegendes Gespür für das Geschäft sollte vorhanden sein.

Ein Unternehmen zu gründen ist mit Risiken verbunden. Die finanzielle Lage ist unsicher, es muss um Kunden und gesellschaftliche Anerkennung gekämpft werden. Was raten Sie Gründungsneulingen im Umgang mit Versagensängsten und Rückschlägen?

Es gibt Monate, in denen das Unternehmen schlecht läuft, und Monate, in denen alles passt. Es ist ganz normal, dass die Lage stark schwankt und dass das Unternehmen nicht stetig bergauf wächst. Vielmehr verläuft die Gründung zyklisch, es wird immer wieder auch Schwächephasen geben. Rückschläge gehören dazu und können sehr bereichernd sein. Auch aus dem Scheitern kann Positives gezogen werden. Es ist ein Lernprozess, der sich aus den Fehlern speist. Gerade in schwierigen Zeiten werden Gedankenmechanismen angeregt, die sich intensiv mit der Frage beschäftigen: Wie kann ich mein Geschäft verbessern? Als Gründer braucht man hier ein bisschen Durchhaltevermögen.

Deutsche Gründer und Gründerinnen arbeiten durchschnittlich 56 Stunden pro Woche. Welche Tipps haben Sie, um bei einem hohen Workload die Work-Life-Balance nicht aus den Augen zu verlieren?

Grundsätzlich – und das nicht nur, wenn jemand ein Unternehmen gründet – ist Spaß an der Arbeit am wichtigsten, denke ich. Wem seine Arbeit gefällt, der kann auch mit einer 60-Stunden-Woche eine gesunde Work-Life-Balance haben. Der Großteil der Gründer baut ein eigenes Unternehmen auf, weil es ihnen Spaß macht und weil sie von ihrer Sache überzeugt sind. Dafür hängt man sich in der Anfangsphase auch mal mehr in die Arbeit. Das passiert oft automatisch, da kommt der Geschäftssinn zum Tragen. Trotzdem hat natürlich jeder Mensch seine Grenzen. Wichtig ist, die individuellen Grenzen und Bedürfnisse zu kennen.

Welche Chancen bieten der Munich Airport Business Park und der Standort Hallbergmoos bei der Unternehmensgründung?

Bei mir persönlich war es die Nähe zum Münchner Flughafen. Als Luftfrachtlogistiker sind Spediteure meine Kunden, von denen viele in Hallbergmoos ansässig sind. Unabhängig von der Branche bietet der Munich Airport Business Park eine sehr gute Infrastruktur für neue Unternehmen. Es gibt Büroflächen für jeden Bedarf und in unterschiedlichen Größen, auch für mich als Ein-Mann-Betrieb. Mein Büro war außerdem bereits möbliert und Alexander Mademann hat mich bei der Bürosuche und anderen logistischen Angelegenheiten sehr unterstützt, ich hatte sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket (lacht). Auch die Verkehrsanbindung ist top und die Mietpreise sind im Vergleich zur Münchner Innenstadt günstiger. Am MABP sind zudem viele internationale Unternehmen angesiedelt, eine Vernetzung mit anderen Firmen wird dadurch vereinfacht.

Über Sebastian Bartsch
Nach drei Jahren Beschäftigung am Amsterdamer Flughafen zog es Sebastian Bartsch zurück in die bayerische Heimat. Für seinen ehemaligen Kunden Speed –  Independent Airfreight Wholesale, ein holländisches Unternehmen in der Luftfrachtlogistik, gründete Bartsch im Januar 2017 eine Firmenniederlassung in Hallbergmoos. Als Ein-Mann-Betrieb baute er den neuen Standort am Munich Airport Business Park auf. „Die Firma war in München noch nicht präsent, ich war vor Ort ganz auf mich allein gestellt.“

 

Bildmaterial © Pixabay

 

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