Zwischen Bildschirm und Bergluft

Herunterfahren, abschalten und aufladen. Was nach dem Feierabendprogramm der unzähligen PCs am Business-Hotspot MABP klingt, können die Macher des Standorts auch tagsüber erleben. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Gelegenheiten, sich zwischendurch eine kleine Auszeit vom Büroalltag zu nehmen, Sonne zu tanken oder in Bewegung zu kommen. Über die Work-Health-Balance vor den Toren Münchens.

Die Frühlingssonne lugt neugierig durch die Fensterfront bei SAP Deutschland, als eine Haferflockenpresse, diverse Sporttools und medizinische Geräte im Büro Hallbergmoos aufgebaut werden. „An unserem Gesundheitstag bieten wir unseren Mitarbeitern zweimal jährlich ein volles Programm rund um die Themen Bewegung, gesunde Ernährung und Krankheitsprävention“, sagt Aline Niedermeier, die im Bereich Digital Business Services bei SAP Deutschland und ehrenamtlich als Local Health Coordinator für Hallbergmoos arbeitet. Sehtest, Krebsvorsorge, Sportschnupperstunden und vieles mehr können die Mitarbeiter an diesem Tag auf ihre To-Do-Liste schreiben. Positive Effekte neben Beratung und medizinischen Allround-Checks: Neue Interessen können entfacht werden. „Für den Probekurs Faszientraining haben wir so viel positives Feedback bekommen, dass wir ihn nun regelmäßig anbieten möchten.“ Damit reiht sich der Kurs in eine lange Programmliste zur betrieblichen Gesundheitsförderung des deutschen Softwareherstellers. Von wöchentlichen Massagen über Spinning-Marathons bis zu Workshops zur Selbstverteidigung – „Damit für jeden etwas dabei ist, engagieren wir uns querbeet“, erklärt Aline Niedermeier.

Denn: Die Gesundheit der Mitarbeiter kann das individuelle Wohlbefinden als auch die Firma bereichern. Laut Bundesministerium für Gesundheit können betriebliche Fördermaßnahmen die Zufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern erhöhen. Auch sinken die krankheitsbedingten Fehlzeiten laut AOK rund um ein Viertel, wenn sich der Arbeitgeber für das Wohl seiner Mitarbeiter einsetzt.

Ergonomischer Arbeitsplatz als Zauberformel für Bürohasen

Wenn es darum geht, die Arbeitswelt ergonomisch zu gestalten, hat der Büroausstatter Büroidee am MABP Heimvorteil. Während sie Kunden über benutzerfreundliche Möbel beraten, lehnen sich die Mitarbeiter in ihre rückenschonenden Stühle. Oder sie arbeiten eine Weile an einem Stehtisch, dessen Höhe sich per Knopfdruck zentimetergenau einstellen lässt. Dadurch wird der Rücken mobilisiert und der Kreislauf in Schwung gebracht. Ist es also besser, den Arbeitstag wortwörtlich durchzustehen als abzusitzen? „Am besten für unseren Körper ist ein Wechselspiel aus Stehen und Sitzen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Röhrl. „Eine Stunde stehen, zwei Stunden sitzen und dann wieder auf die Beine kommen. Das stärkt die Muskeln und hält den Kopf frisch.“

Auch der STARK-Verlag in Hallbergmoos erkennt das Potential einer funktionierenden Work-Health-Balance. „Unsere Gesundheitsangebote stecken noch ein wenig in den Kinderschuhen“, sagt Martina Brucker aus der Personalabteilung, „aber wir sind dabei, einen Gesundheitstag in Zusammenarbeit mit dem TÜV zu planen.“ Diese Kooperation trägt bereits Früchte. Seit einem halben Jahr unterstützt eine TÜV-Beraterin mindestens einmal jährlich die Angestellten des deutschen Verlags dabei, ihren Arbeitsplatz an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen. Mit jedem einzelnen Mitarbeiter stellt sie Tischhöhe und Bildschirmausrichtung optimal ein, gibt Tipps zur richtigen Sitzhaltung und für kleine Bewegungsübungen zwischendurch. Damit ihre Ratschläge nicht im Arbeitsalltag untergehen, verschickt Brucker ab und zu kleine Reminder per E-Mail. „Das Beratungsangebot ist natürlich freiwillig, letztendlich ist jeder Herr über sich selbst“, sagt Brucker. „Wir möchten Impulse zum Mitmachen setzen, in Zukunft noch mehr als jetzt.“

Damit ist der STARK-Verlag nicht allein. Der Trend zur Work-Health-Balance greift um sich, immer mehr deutsche Betriebe bemühen sich um die Gesundheit und Fitness ihrer Mitarbeiter. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich ihre Bereitschaft, von Krankenkassen zur betrieblichen Gesundheitsförderung beraten und unterstützt zu werden, laut Präventionsbericht des Medizinischen Diensts des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS) mehr als verdoppelt. Spitzenreiter im Gesundheitsmanagement sind Unternehmen im verarbeitenden und im Dienstleistungsgewerbe. Im Vergleich nach Betriebsgröße preschen mittelständische Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern voran. Im Fokus ihrer Bemühungen stehen hauptsächlich Bewegungsförderung und Stressbewältigung.

Vielfältiges Programm: Von Obstkörben bis Skiausflügen

Sprints in der betrieblichen Gesundheitsförderung am MABP legt auch der Energieteckniker Brüning-Gruppe an den Tag. Nicht nur die Mitarbeiter laufen beim Münchner Firmenlauf B2Run wörtlich in das Olympiastadion ein, auch die vielseitigen Fördermaßnahmen verdienen eine Goldmedaille. Zum Beispiel für: Vergünstigungen in Fitnessstudios,  Leasing-Angebote für Job-Fahrräder und wöchentliche Obstkörbe aus einem Bioladen. Auch der benachbarte Sport- und Freizeitpark Hallbergmoos wird genutzt: Standortleiter Jasper Wendelstein geht dort mehrmals die Woche mit Kollegen joggen. „In der Mittagspause laufen wir zum Sportpark, trainieren auf dem Trimm-Dich-Pfad und joggen zurück zur Firma.“ Nach einer kurzen Abkühlung unter der Mitarbeiterdusche geht es dann erfrischt zurück an die Arbeit. Wendelstein: „Es ist ein gutes Gefühl, zwischendurch mal in Bewegung zu kommen und frische Luft und Sonne zu tanken.“

Dass betriebliche Gesundheitsvorsorge auch im kleineren Stil effektiv sein kann, zeigt der Dienstleister BAM Facility Services. Neben jährlich stattfindenden Großevents wie dem Wandertag oder dem Skiausflug in die Alpen, bemüht sich das Unternehmen vor allem um  Tipps und Anregungen für die Mitarbeiter, die sich mühelos in den Büroalltag integrieren lassen. Mal wird auf Lieferanten für frische Salate für die Mittagspause aufmerksam gemacht, mal wird in den Gehaltsabrechnungen auf Gesundheits- und Vorsorgeprogramme der Krankenkassen hingewiesen. Personalerin Manuela Markiewitz sagt: „Oft fällt es sehr schwer, groß angelegte Verhaltensänderungen dauerhaft durchzusetzen und nicht in alte Muster zu verfallen. Deshalb versuchen wir, durch alltägliche Ratschläge, die sich leichter umsetzen lassen, zu einem gesunden Lebensstil zu inspirieren.“

Weitere kreative Fördermaßnahmen sind beispielsweise Gutscheine der Firma ANDTEK für Sportschuhe und Fitnesszubehör oder Vergünstigungen von Intertec für das Fitnessstudio im Sportpark Hallbergmoos. Es zeigt sich: So vielseitig die Unternehmen am MABP sind, so unterschiedlich fallen auch ihre Gesundheitsangebote für ihre Mitarbeiter aus. Welches davon nun das beste Programm ist? Letztendlich ist es wohl wie beim Laufen: Ob mit einem Sprint, im Jogging-Tempo oder mit einem gemütlichen Spaziergang – das Ziel lässt sich auf verschiedenen Wegen erreichen.

Bildmaterial © Unsplash

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