Business mit Monsieur Richard: Nur nicht den Geschäftspartner lieben

Hallbergmoos mit dem Munich Airport Business Park zählt mit mehr als 85 Nationen zu den internationalsten Gemeinden Deutschlands – vor allem mit Blick auf die Einwohnerzahl. Die Ländervielfalt zeichnet sich nicht nur zwischen Mitarbeitern und Einwohnern ab, sondern auch im täglichen Business mit Geschäftspartnern. Ob aus einem kleinen Missverständnis im interkulturellen Umgang ein Knigge-Fehltritt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Damit es gar nicht erst so weit kommt, stellt der Blog Destination Hallbergmoos“ in einer kleinen Serie die wichtigsten Gepflogenheiten im Umgang mit ausländischen Kollegen, Nachbarn und Geschäftspartnern vor. Aujourd’hui: Frankreich.

Trotz der geographischen Nähe gibt es einige Unterschiede zwischen Deutschen und den französischen Nachbarn. Worüber man sich im Klaren sein sollte: Die Deutschen lieben Frankreich. Aber: Franzosen wollen nicht geliebt werden – sondern ernst genommen.

1. Kontaktanbahnung: Mehr Zeit einplanen
Achten Sie beim Briefkontakt mit Franzosen darauf, dass die Kontaktaufnahme absolut fehlerfrei ist. In Schulfranzösisch abgefasste Briefe erfüllen dieses Kriterium selten. Daher sollte ein Übersetzungsbüro bemüht werden. Die Ansprache sollte direkt an den Firmenchef gerichtet sein. Kommt es zu einem Treffen, müssen Sie stets damit rechnen, dass Sie von den Franzosen als Gast sehr ernst genommen werden. Entsprechend sollten Sie die Gastfreundschaft annehmen, um nicht unhöflich zu sein. Planen Sie für Geschäftstermine in Frankreich also etwas mehr Zeit ein.

2. Begrüßung und Anrede: Die perfekte „bise“
Mittlerweile geben auch Franzosen zunehmend die Hand – vor allem bei der Begrüßung. Falls Sie Ihren Geschäftspartner nach einigen Jahren wirklich gut kennen und mit ihm etwas befreundet sind, kann er Sie auch mit einem Wangenkuss begrüßen. Man küsst sich in Frankreich viermal, in Paris zweimal. Der Kuss wird nur gehaucht. Geschäftspartner werden außerdem niemals geduzt. Der Wechsel vom „vous“ zum „tu“ ist in Frankreich auch heute noch meist ein eindeutiger Hinweis, dass sich ein normales Verhältnis zu einer Freundschaft hin entwickelt. Entsprechend sollte das „tu“ unbedingt gemieden werden.

3. Kommunikation und Konversation: Parlez-vous français?
Rechnen Sie außerhalb von Paris nicht damit, dass Ihre Geschäftspartner Englisch sprechen. Falls Sie ein wenig Französisch sprechen: setzen Sie es ein. Auch wenn es für Sie sehr schwierig ist, werden Geschäftspartner und Kollegen es Ihnen hoch anrechnen. Und: Reagieren Sie nicht verärgert, wenn Sie verbessert werden. Der Franzose will Ihnen lediglich helfen. Die wichtigsten Wörter der Begrüßung und des Dankes – Bonjour, Comment ça va?, merci – sollten Sie aber auf jeden Fall beherrschen. Bei der Konversation gilt es außerdem, Gesprächsthemen sensibel auszuwählen. Bevorzugen Sie kulturelle Themen – Essen, Wein, französische Musik oder klassische französische Autoren wie Victor Hugo sind en vogue.

4. Geschäftskultur: Franzosen agieren personenbezogen
Aller geographischen Nähe zum Trotz: Franzosen und Deutsche könnten verschiedener nicht sein. Nach Angaben der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris handeln Franzosen wesentlich individueller und emotionaler. Vertrauen ist personenbezogen. Damit unterscheiden sie sich grundsätzlich von Deutschen, die sich Vertrauen durch Leistung erarbeiten und die Entscheidungen meist rational treffen. Im Geschäftsleben sollten Sie generell mehr Zeit einplanen. Lange Vorreden und Nachverhandlungen sind üblich und sollten einen deutschen Geschäftsmann nicht aus der Ruhe bringen.

5. Tischkultur: Gediegenes Speisen
Franzosen verbinden gerne das Angenehme mit dem Wichtigen. So werden Geschäfte meist beim Mittagessen besprochen. Falls die Begegnung direkt mit dem Mittagessen beginnt, sollten Sie nicht bereits zur Vorspeise mit dem Geschäftlichen anfangen, sondern erst gegen Ende des Menüs – etwa zum Dessert. Mon dieu, wie die Deutschen beim Dinner hasten! Franzosen essen bedeutend langsamer und nehmen sich zum Essen Zeit. Vermeiden Sie es entsprechend zu schlingen. Falls Sie nicht der Gastgeber sind und mit Kollegen essen gehen, sollte einer für alle zahlen. Danach können Sie die Rechnung aufteilen.

6. Dresscode: Qualität im Mittelpunkt
Im Land der Mode fällt die Businesskleidung nicht automatisch ausgefallener aus. Wichtig ist es jedoch, auf Qualität und Passform zu achten. Männer tragen in Frankreich im Geschäftsleben stets Anzug, Hemd und oftmals noch immer Krawatte. Frauen hüllen sich in Kostüme oder Kleider. Dabei gilt: dezente Farben, feminin, schick – ganz nach dem Vorbild von Coco Chanel.

Hintergrundinfos: Frankreich Business Facts
Nominales Bruttoinlandsprodukt 2017: 2.584 Mrd. USD
Die größten Unternehmen: AXA Group, Total, BNP Paribas
Top 3 Handelspartner Export: Deutschland, Spanien, USA
Top 3 Handelspartner Import: Deutschland, Belgien Niederlande
Die wichtigsten Branchen: Industrie-, Tourismus- und Finanzsektor

Bildmaterial © Unsplash, rawpixel

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